Mecklenburgische und Pommersche
Bibelgesellschaft

Maria und ihr Umfeld


Nach Die Evangelisten und ihre Symbole sowie Die Apostel und ihre Attribute sollen nun weitere Heilige folgen, deren Darstellung uns in und an Kirchen begegnen kann.

Warum sollten sich evangelische Christen überhaupt mit diesen Heiligen beschäftigen? - Mit Personen, die fast alle außerhalb der biblischen Traditionen stehen und oft nur legendär sind!
Sind sie nicht eine sehr katholische bzw. orthodoxe Angelegenheit? Dort werden sie verehrt und auch um Hilfe angerufen.

Ich meine, sie gehören einfach zur christlichen Tradition; denken sie nur an die vielen Marien-, Nikolai- und Georgen-Kirchen in unseren Städten (für mittelalterliche Städte ist diese Dreiheit geradezu typisch). Schon darum halte es für nützlich, die Heiligen identifizieren zu können und etwas über ihr Leben zu wissen, einschließlich der Legenden und Traditionen im - nicht nur mittelalterlichen - Volksglauben.

Eine ganz besondere Stellung unter den Heiligen nimmt Maria ein, die Mutter Jesu!
Die Zahl der Marien-Kirchen ist Legion, und besonders im katholischen Denken spielt Maria eine derart herrausragende Rolle, dass für Außenstende der Eindruck entstehen kann, dass sie - zumindest in der Volksfrömmigkeit - präsenter ist als Christus. Für protestantische Augen und Ohren ist das eine unbekannte und auch befremdliche Welt; etwa wenn in einem Faltblatt zu einer Kirche (Pfarrkirche "Maria Himmelfahrt" in Riva del Garda) zu lesen ist:
... sollten Sie gläubig sein, wenden sie sich vertrauensvoll im Gebet an die Muttergottes, unser aller Mutter.
Es ist hier nicht der Ort, über Marienverehrung zu debattieren oder gar Urteile zu fällen. Dazu gibt es reichlich Literatur mit pro und kontra: sachlich, polemisch und in Zeiten des des Internet leider auch gehässig.
Die nachfolgenden Abschnitte sollen nur einen Überblick über die Darstellungen geben, die uns begegnen können; mit dem Versuch, ihre Bedeutung zu erklären!

Dabei ist das Thema ist derart umfangreich, dass ich es nach und nach behandeln werde; d.h. der Artikel wird erweitert werden, sobald ich einen neuen Abschnitt fertig habe.


Typen der Marien-Darstellung

 

Eine solche Aufteilung ist immer unvollkommen und künstlich, zumal viele Darstellungen mehrfach zugeordnet werden könnten. Dazu gleich ein Beispiel:

 

Die betende Maria


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Ostkirchlich (orthodox)

 

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Westkirche (röm.-katholisch)

Voranstehend sind 2 verschiedene Gebetshaltungen gegenübergestellt:
Für die Ostkirchen sind die erhobenen Hände typisch, während im Westen die Hände meist zusammengelegt bzw. gefaltet werden.

Ansonsten unterscheiden sich die Bilder vor allem in der Kopfhaltung und dem Gesichts-
ausdruck. Marias Gebet kann demütig, bittend, fürbittend, anbetend sein. Je nach eigener Verfassung wird der Betrachter das unterschiedlich sehen!


Hier noch einige Bilder; mit dem Versuch einer Interpretation:

 

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Beide Bilder stellen wohl die anbetende Maria dar.
 
Bei dem rechten Bild (eine Weihnachts-Darstellung) scheint das offensichtlich.

 

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Die Darstellungen rechts sind typische Andachtsbilder.
Sie fordern zum meditativen Gebet auf;
 
'Maria, bitte für uns! Jetzt und in der Stunde unseres Todes.'
 
Diesen Satz habe ich aus katholi-
schem Mund schon oft gehört, sei es in Kirchen vor Marienbildern, sei es bei Prozessionen.

Im Mittelalter hatte sich eine Auffassung herausgebildet, die in Gott und Christus nur noch den unbarmherzigen Weltenrichter sah, dem man sich lieber nicht näherte! Darum bedurfte es der Fürsprache aller Heiligen - vor allem von der Mutter Maria. Diese Vorstellung steht hinter einer bis in die Gegenwart sehr häufigen Darstellung:

 

Die Schutzmantel-Madonna


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Diese beiden Bilder zeigen die erwähnte Vorstellung besonders deutlich:
Maria schützt vor den Pfeilen des Jüngsten Gerichts, das allen Menschen droht, auch den Mächtigen dieser Welt, seien sie geistlich oder weltlich!
Im rechten Bild ist gar der Weltenrichter dargestellt, wie er mit Pfeil und Bogen auf die Sünder zielt.

 

weitere Beispiele aus verschiedenen Jahrhunderten:

 

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Aus der Gotik, der Renaissance und dem Barock

 

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Aus dem 19. Jahrhundert (das rechte Bild ist orthodox, vielleicht auch 20. Jht).

 

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Aus dem 20. Jht. - Im Bild rechts kombiniert mit der 'Madonna im Rosenkranz' (s.u.)

 

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aus dem 19 Jahrhundert (?)

 

Zu den Schutzmantel-Madonnen im weiteren Sinn ist auch die 'Stalingrad-Madonna' zu zählen:

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Links das auf Papier gezeichnete Original von 1942.
Mitte und rechts: Nachgestaltungen in Holz.

 

 

recht häufig findet sich auf Andachtsbildern auch dieser Typus:

 

Die lesende Madonna


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Links: Wer liest hier eigentlich?
Rechts: Bisweilen scheint das Buch nur Staffage zu sein?!

 

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Links: Der Heilige Geist wirkt mit.
Rechts: Mit auf dem Bild ist das Kind Johannes (der Täufer).

 

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Hier ist das Jesuskind immer beteiligt!
Im Bild rechts (wieder mit Johannes) hat es ganz die Initiative ergriffen und liest vor; Maria schweigt anbetend!

Das rechte Bild zeigt, wie künstlich die Aufteilung in 'Marien-Typen' ist! -
Das Bild könnte auch unter "Die betende Maria" oder "Maria mit Jesus und Johannes" (s.u.) erscheinen.

Der Beitrag wird fortgesetzt.

Christian Hildebrand, Okt. 2013
  

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